Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Pfarrer Peter Kiehl

 

 

Was wir glauben können 

Liebe Gemeindeglieder der Wiesbadener Christuskirchengemeinde, liebe Freunde, Leserinnen und Leser!

Auf dem Bild ist hinter einem violetten Rahmen wie durch ein Guckloch ein Berg mit drei Kreuzen zu sehen. Im Hintergrund geht die Sonne auf. Auf der linken Seite ist in grauer Farbe eine Scheibe, die den Blick freigibt auf das warme Morgenlicht.



Wie durch ein Guckloch schauen wir das Unglaubliche, vernehmen wir im Evangelium das Unerhörte: Der Herr ist auferstanden!

Ostern ist der bedeutendste Tag, den Gott seit dem Beginn der Welt geschaffen hat.

Als er begann, konnte das niemand ahnen. Die Frauen, die zum Grab gingen, wollten ihrem toten Freund einen letzten Dienst erweisen, mehr nicht. Er war am Abend des Freitags einbalsamiert, in ein Tuch gewickelt und in sein Grab gelegt worden, doch dies war in aller Hast geschehen, weil man bis zum Sonnenuntergang, dem Beginn des Ruhetags, fertig sein musste. Jetzt wollten sie es noch einmal ordentlich machen. Am Samstagabend, als der Sabbat zu Ende war und die Geschäfte wieder öffneten, hatten sie duftende Salben gekauft, und beim ersten Morgengrauen waren sie bereits auf dem Weg zu dem Grab.

Der Verschlussstein machte ihnen Sorgen, und das zu Recht. Ein Felsengrab wurde mit einem großen runden Stein verschlossen, der einem Mühlstein ähnlich sah und in einer Steinschiene im Felsenboden lief. Um das Grab zu öffnen, musste man den Stein leicht bergauf zur Seite rollen und mit einem Keil sichern. Verließ man die Höhle wieder, löste man die Sicherung und ließ den Stein an seinen Platz vor dem Grabeingang zurückrollen.

Als die Frauen sahen, dass der Stein fortgewälzt und das Grab leer war, glaubten sie, dass jemand den Leichnam fortgetragen hatte. Keiner konnte fassen, was da geschehen war. Jesus auferstanden? Es war zu schön, um wahr zu sein, es war unmöglich!

Aber es war wahr! Die kleingläubigen Jünger standen vor Fakten, die sich nicht leugnen ließen. „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“ Gott hatte eingegriffen – so wunderbar, so überwältigend, so weit hinaus über alles, was je auf dieser Erde geschehen war, dass es unser Leben, unser ganzes Dasein von Grund auf verändert hat. Mit Jesu Auferstehung beginnt eine neue Zeit, öffnen sich neue Türen für die ganze Menschheit. Hier enthüllt sich Gottes gute Absicht mit dem Kreuz und mit all dem anderen, was vor diesem großen Tag geschah. Jetzt begriffen die Jünger auch die Psalmworte, die sie nach dem Passamahl gesungen hatten und die damals so merkwürdig unwirklich geklungen hatten: „Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“

Und wir, die durch die Taufe mit Christus verbunden sind, können in diesen Gesang einstimmen, denn auch wir gehen durch Tod und Grab zur Morgensonne des Lebens. Das können wir glauben.

Ein fröhliches Osterfest wünscht Ihr und Euer

Vakanz-Pfarrer
Peter Kiehl