Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Pfarrer Peter Kiehl

 

 

Das Kirchen-Schiff führt meine Gedanken zu dem biblischen Rettungsschiff, das nach Gottes Gebot von Noah gezimmert wurde (vgl. 1. Mose 6-8). In der Arche erkannten die Christen der frühen Kirche einen deutlichen Hinweis auf die eigene Situation: Ja, auch wir sind in dieser Welt dem Untergang geweiht, wenn wir nicht Zuflucht suchen zu diesem Boot, das aus einem besonderen Holz erbaut wurde. Das Holz, aus dessen Material die rettenden Planken sind, war nichts anderes als das Kreuz Jesu Christi. Die Arche, in der wir durch die Taufe Zuflucht finden, ist die Kirche. Sie kann uns in dieser Zeit Rettung und Geborgenheit bieten.

Neben dem biblischen gibt es noch einen anderen Überlieferungsstrang, der das Bild des Schiffes für die Christen populär gemacht hat: die alte Sage von Odysseus, der sich auf seiner abenteuerlichen Reise gegen den Sirenengesang wehren muss. Ein Gesang, der faszinierend ist – aber ins Verderben führt. Als Gegenmaßnahme lässt er sich an den Mastbaum des Schiffes festbinden und befiehlt den Seeleuten, ihn auf gar keinen Fall loszubinden, auch wenn er sie noch so sehr anflehen sollte. Dieses Bild – Odysseus festgebunden am Mastbaum des Schiffes – haben nun die Christen auf ihre eigene Situation übertragen. Sie haben gesagt: Ja, genauso ist es mit uns. Auch wir
sind Verführungen ausgesetzt. Manche Klänge der Welt wollen uns weglocken von der einen wahren Stimme, vom einen wahren Wort, das allein uns retten kann. Nur wer sich festmacht an Christus, an seinem Kreuz, der kann der Macht der falschen und todbringenden Stimmen widerstehen und findet das Heil.

Für uns bedeutet das: Sich nicht verführen lassen von den reizvollen Klängen, die die Welt bereithält. Gesunde Distanz wahren, wenn es darum geht, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen gefangen nehmen und vom rechten Weg abbringen.

Natürlich leben wir Christen in dieser Welt. Wir sollen uns auseinandersetzen mit den Themen, die uns manchmal infrage stellen oder gar angreifen. Aus dieser Auseinandersetzung kann siegreich hervorgehen, wer sich fest an das Kreuz Christi bindet. Das Kreuz ist die Planke des Heils, die uns auf dem Meer dieser Welt rettet, sobald wir sie im Glauben ergreifen.

Die Christuskirchengemeinde wählt im Herbst einen neuen Kirchenvorstand. Tüchtige Seeleute werden gebraucht, die eine besondere Verantwortung auf dem Gemeindeschiff übernehmen: die Taue und den Anker in Schuss halten, einen neuen Kapitän suchen, Matrosen motivieren, Kommunikation ermöglichen, gelegentlich auch mal für Unterhaltung sorgen und manches andere; vor allem immer wieder die „Segel der Liebe“ (vgl. ELKG Nr. 4) setzen. Gebe Gott, dass es wieder eine gute Mannschaft wird, die Freude an diesen Aufgaben hat!


Mit herzlichen Segenswünschen grüßt

Ihr Vakanz-Pfarrer
Peter Kiehl