Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Pfarrer Peter Kiehl

 

 

Vergnügt, erlöst, befreit 

Liebe Gemeindeglieder der Wiesbadener Christuskirchengemeinde, liebe Freunde, Leserinnen und Leser!

Das Bild der freundlichen Kirche passt gut zu den kommenden sonnigen Wochen. Der christliche Brauch hat den hellsten Tag des Sommers auf den 24. Juni gelegt und ihn mit dem Geburtstag Johannes des Täufers verbunden.





Johannes und sein Meister, der Herr Christus – man könnte sagen: Zwei Lebenswege zwischen Zorn und Güte.

Johannes war streng. Er fastete viel und trank keinen Wein. Er war der Bußrufer in der Wüste und hat gedroht: „Die Axt ist schon an die Wurzeln gelegt, und wer keinen guten Weizen bringt sondern nur Spreu, der wird im unauslöschlichen Feuer verbrennen.“ Auch Jesus begann als Bußprediger. Auch er hat Menschen angefahren: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch versichert, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“ Er war zunächst ein Mann mit den brennenden Augen des Johannes.

Warum haben die Propheten mit den brennenden Augen so wenig Erfolg? Vielleicht, weil die Androhung des puren Schreckens niemanden verändert. Zu einem Leben aus dem Glauben kann nicht gezwungen, wohl aber verlockt werden. Später in den Evangelien wird deutlich: Jesus spricht ein „Nein, das nach Ja schmeckt“ (Helder Camara). Das Reich Gottes hing nicht mehr wie eine Drohung über den Menschen. Es war gezeichnet in seiner Schönheit. Jesus preist die Lilien und die Vögel, die sich keine Sorgen machen. Er erzählt charmant vom Kaufmann, der alles hergibt für die kostbare Perle. Mit spielender Hand malt er in den Sand und zeigt den Richtern der Ehebrecherin die größere Schönheit der Vergebung. Er isst und trinkt mit Zachäus, dem Oberzöllner und Sünder. Und so wächst dessen Bekehrung.

Es wird nichts ermäßigt, und es wird keinem die Bekehrung erspart. Das Nein wird nicht unterschlagen. Aber „es schmeckt nach Ja“. In der Drohung ist die Gnade versteckt, eingewickelt – eine schöne Überraschung!
So wünsche ich mir die Kirche und ihre Sprache. Sie soll nicht fasziniert sein von den Visionen des Untergangs, fasziniert soll sie sein von der Stimme der Barmherzigkeit und der einladenden Schönheit. Auf diesem Weg können Menschen ihr folgen. So wünsche ich mir auch den Umgang, den wir in unseren Gemeinden miteinander pflegen: nicht aufgeregte Besserwisserei, nicht säuerliche Moral, sondern erlöste Gelassenheit. Die hat der Hanns Dieter Hüsch wunderbar in seinem „Psalm“ in Worte gefasst:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein‘ Trübsal hält,
weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit!


Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Ihr und euer

Vakanz-Pfarrer
Peter Kiehl