Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Pfarrer Peter Kiehl

 

 

Neue Anfänge 

Liebe Gemeindeglieder der Wiesbadener Christuskirchengemeinde, liebe Freun­de, Leserinnen und Leser!

Ein jährlich vertrautes Bild: die neuen Schulkinder, mit ihren fast überdimensional großen Schulranzen auf den Rücken, die Schultüte stolz in der einen Hand, und auf der anderen Seite hoffentlich die sichere Hand eines Elternteils, an dem sich die kleine Schülerin oder der kleine Schüler festhalten kann. Fragend? Unsicher? Neugierig auf das, was da kommen wird?

Ich erinnere mich, dass an meinem ersten Schultag vom „Ernst des Lebens“ die Rede war. Mir war bald klar, dass es noch manche weitere Stufen gab, in denen es angeblich ernst wurde: der Wechsel in die weiterführende Schule, der Berufsabschluss, das Abitur, das kirchliche Examen, dazu manche andere Erfahrungen, die man Prüfungen des Lebens nennt. Und was habe ich dabei gelernt? Ich habe gelernt, dass das Lernen nie aufhört! Ja, gerade in meiner Berufung als Pfarrer habe ich gemerkt, dass wir bis zum letzten Atemzug Lernende sind und lernen können, lernen dürfen! Ich lerne in der Schule meines Lehrers Jesus Christus – mit „Ernst“, aber auch mit viel Freude, Gott sei Dank!

Die kleinen Schulanfänger sind gespannt und freuen sich auf die Schultüte und deren Inhalt. Ja, mancher Neuanfang ist wie eine Schultüte: Verheißungsvoll, vielversprechend, spannend. Es schwingt die Hoffnung mit, dass es gut geht, ja, noch besser wird. Den Erstklässlern und ihren Familien ist zu wünschen, dass die Kinder den Start in die Schulzeit gut schaffen. Zu wünschen ist ihnen allen aber besonders, dass sie spüren dürfen: Ich bin so, wie ich bin, wertvoll und geliebt – unabhängig von den Zensuren, die sich auf den Zeugnissen finden. Diese Erfahrung ist für kleine Schüler ebenso wichtig und lebensnotwendig wie für uns Erwachsene als Schüler unseres Herrn. Ein Kind auch mit seinen Schwächen zu akzeptieren, die Partnerin oder den Partner, Vater und Mutter, Mitglieder in der Kirchengemeinde auch mit Macken und Zickigkeiten zu achten und zu lieben – das ist in der Tat nicht immer einfach. Da brauchen wir immer wieder einen neuen Anfang – nicht nur am ersten Schultag. Gott begleitet uns dabei, hält uns bei der Hand wie ein Vater und eine Mutter ihr Kind.

Diese Gewissheit und dieses Vertrauen darauf, dass ER immer mitgeht, wünsche ich Ihnen; egal, ob Ihr Weg in die Schule, zu Ihrem Arbeitsplatz führt, oder ob Sie zu Hause Ihre Arbeit verrichten, gerade im Krankenhaus liegen oder im Pflegeheim leben. Ob es Ihnen gerade gut geht oder Sie in einer Krise stecken – ER geht mit!

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Ihr und Euer

Vakanz-Pfarrer
Peter Kiehl