Ev.-Luth. Christuskirchengemeinde, Wiesbaden

Pfarrer Peter Kiehl

 

 

Goldener Herbst – heißer Herbst 

Liebe Gemeindeglieder der Wiesbadener Christuskirchengemeinde, liebe Freunde, Leserinnen und Leser!

die Blätter an den Bäumen zeigen es deutlich: Es wird Herbst. Der Sommer ist vorbei und die kühle Jahreszeit rückt unweigerlich näher. Das mag für die einen oder anderen mit Wehmut verbunden sein. Dennoch: Ich mag den Herbst. Ich freue mich über das bunte Laub an den Bäumen, über das prächtige Farbenspiel, wenn die Herbstsonne scheint und die Welt in ein goldenes Licht taucht. Bevor es kahl wird, macht sich die Natur noch einmal richtig schön. Gottes Schöpfung ist doch immer wieder wunderbar!

Es ist mir wichtig, immer mal wieder inne zu halten, das Schauspiel der Farben und die klare Luft auf mich wirken zu lassen, denn der Herbst ist in der Kirchengemeinde auch immer eine „heiße“ Zeit: Michaelis und Erntedank, Reformationsfest, Martinstag (der heuer auf einen Sonntag fällt), Ewigkeitssonntag, beginnender Advent. Das Kirchenjahr geht in die Vollen, der Kalender ist gefüllt. Die Vorbereitungen für das Krippenspiel müssen in den Blick genommen werden. Das Pfarrhaus an der Christuskirche muss für die neuen Bewohner hergerichtet werden, denn es soll im kommenden Jahr wieder von einem tüchtigen Seelsorger und seiner Familie bewohnt werden. Ich bin unserem Bischof und der Kirchenleitung dankbar, dass Pastor Michael Ahlers nach Wiesbaden entsandt wird, und ich freue mich auf den neuen Mitbruder im Pfarrkonvent.

Auch auf der Weltbühne zeichnet sich ein „heißer“ Herbst ab. Wie wird es mit Syrien, mit dem Heiligen Land und dem Iran weitergehen? Was wird aus Europa angesichts des Brexit und unter dem Eindruck der US-Politik unter Donald Trump? Wie wird das neue hessische Parlament zusammengesetzt sein? Welche Regierung bekommt unser Land?

Und wir als Kirchengemeinde, als einzelne Christen, befinden uns mitten im großen und kleinen Weltgeschehen. Wir müssen unsere Position finden und unseren Weg suchen. Doch das Kirchenjahr hilft mir dabei. Der Michaelistag lenkt unseren Blick darauf, dass ich mich „von guten Mächten wunderbar geborgen“ wissen kann. Das Erntedankfest erinnert mich daran, dass Gott es ist, der mich versorgt – nicht nur mit dem nötigsten, sondern weit darüber hinaus. Der Martinstag lässt mich die Bedürftigen um mich herum nicht vergessen. Der Ewigkeitssonntag zeigt mir meine Grenzen auf (die Schönheit des bunten Herbstlaubs ist eine verwelkende Schönheit). Und da leuchtet auch schon das Licht des Sterns von Bethlehem herüber.

Wie dankbar bin ich Gott dafür, dass er mir die Schönheit des Herbstes schenkt, die mir hilft, auch in einem „heißen“ Herbst einen goldenen Glanz zu finden.

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Ihr und Euer

Vakanz-Pfarrer
Peter Kiehl